Lange bevor es Rio für Deutsche gab, stand ich schon hier, mitten in dieser Stadt, und habe deutschen Besuchern Rio gezeigt. Angefangen habe ich damit als Teenager. Das Mitnehmen, das Zeigen, das Erklären meiner Stadt war nie ein Job für mich. Es war immer das, was ich am liebsten mache.
Aber fangen wir am Anfang an. Meine Eltern wollten, dass meine Schwester und ich früh eine Fremdsprache lernen. Also kam ich mit vier Jahren in die Escola Alemã Corcovado, die deutsche Schule in Rio, gleich bei uns um die Ecke. Vom Kindergarten an habe ich dort viele Jahre lang gelernt, und diese Zeit hat mich geprägt.
Das war keine Schule, in der man nur ein bisschen Deutsch als Fremdsprache büffelt. Ich bin mit der deutschen Kultur groß geworden. Deutsche Lehrer, deutsche Feste, Musikunterricht, Sozialkunde, ganze Fächer auf Deutsch. Mitten in Rio habe ich jeden Tag ein Stück Deutschland gelebt. Deutsch ist für mich nie eine reine Schulsprache geblieben, sondern ein Teil von mir geworden.
Später wollte ich mehr. Ich bin nach Deutschland gezogen, nach Köln, und bin vier Jahre dort geblieben. Zuerst habe ich das Studienkolleg gemacht, um mein Deutsch richtig zu festigen, danach habe ich an der KISD studiert, der Köln International School of Design.
Diese vier Jahre haben alles verändert. Ich habe Deutschland nicht mehr nur aus der Schule in Rio gekannt, sondern von innen gelebt: den Alltag, die Mentalität, die kleinen Dinge, die man nur versteht, wenn man wirklich dort wohnt. Genau das macht heute den Unterschied, wenn ich dich durch Rio führe. Ich weiß, wie du denkst, was dir wichtig ist und worauf du achtest, weil ich beide Welten kenne.
Zurück in Brasilien habe ich dann viele Jahre in einer ganz anderen Welt gearbeitet: Design, digitales Marketing, Kommunikation, Content. Fast drei Jahrzehnte vor dem Bildschirm, in denen ich gelernt habe, wie man Geschichten erzählt, wie man Dinge erklärt und wie man Menschen wirklich erreicht.
Irgendwann habe ich mir eine einfache Frage gestellt: Warum bringe ich nicht alles zusammen, was ich kann? Die deutsche Sprache und Kultur, mit der ich aufgewachsen bin. Mein Wissen aus Design, Kommunikation und Content. Und meine größte Leidenschaft, meine Stadt Rio de Janeiro.
Genau daraus ist Rio für Deutsche entstanden. Kein Job, den ich zufällig mache, sondern die Verbindung von allem, was mich ausmacht. Heute vertiefe ich mein Wissen über meine Stadt ständig weiter und bilde mich im Bereich Tourismus formell weiter, weil ich diese Arbeit ernst nehme und sie richtig machen will.
Warum gerade deutschsprachige Gäste?
Ich habe mein Leben lang die deutsche Kultur erlebt und die Sprache gelebt, und es gibt hier in Rio kaum jemanden, der dir die Stadt wirklich auf Deutsch zeigen kann, von einem Einheimischen, der beide Seiten kennt. Diese Lücke wollte ich füllen. Du sollst Rio erleben, ohne Sprachbarriere, ohne Missverständnisse, mit jemandem, der dich versteht.



